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Familiärer Wettbewerb 8 agosto 2006

Posted by radioscarpa in mondo del lavoro.
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Neue Südtiroler TAGESZEITUNG (05.08.08)

Die Volksbank hat für den Umbau ihrer Brixner Filiale einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Dabei hat die Bank mehr als augenscheinlich gegen die offiziellen Wettbewerbsregeln verstoßen. Weil zu den Nutznießern aber auch zwei Vorstandsmitglieder der Architektenkammer gehören, wird das ganze zum Skandal.

 Von Christoph Franceschini

Die Südtiroler Tourismuswerber verkaufen Südtirol seit Jahrzehnten als„Familienland“. Wie nah die Marketingexperten dabei der lokalen Realität kommen, zeigt sich aber auch immer wieder auf ganz anderem Gebiet. Denn zwischen Salurn und dem Brenner geht es in vielen Bereichen nur allzu oft besonders familiär zu. Ein letztes Beispiel ist jetzt ein Architekturwettbewerb der Südtiroler Volksbank.

Die Volksbank hat für den Umbau ihres Sitzes in der Brixner Altstadt im März einen Wettbewerb ausgeschrieben. Insgesamt 41 Architekten und Gruppen nahmen an der Ausschreibung teil. Am 16. Juni gab das Preisgericht dann den Sieger bekannt. Gewonnen haben mit ihrem Projekt die beiden Architekten Lorenzo Weber und Alberto Winterle (Neumarkt/Trient). Der zweite Preis wurde nicht vergeben. Dafür wurden zwei dritte Preise in der Höhe von jeweils 4.000 Euro vergeben. Familiäre Bande scheinen schon bei der Wettbewerbsvorbereitung eine gewisse Rolle gespielt zu haben. Denn die Erstellung der Ausschreibungsunterlagen und die gesamte Koordination des Verfahrens machte die Bozner Architektin Itta Maurer. Sie ist die Ehefrau von Volksbank-Generaldirektor Johannes Schneebacher.

Kaum weniger familiär scheint es dann aber beim Wettbewerb selbst zugegangen zu sein. Es ist Usus, dass die Südtiroler Architektenkammer, öffentliche Wettbewerbe überprüft. Das geschah auch bei der Volksbank-Ausschreibung. Seit Jahren gibt es bei solchen Wettbewerben klare Regeln. Zum Beispiel eine klare Unvereinbarkeit zwischen Wettbewerbsteilnehmern und Verwandten in den Führungsebenen des Wettbewerbs-Auslobers. Die Architektenkammer übernimmt dabei seit Jahren dieselbe Diktion. Demnach hieß es auch im ursprünglichen Text des Volksbanks-Wettbewerbs „Von der Teilnahme am Wettbewerb sind jene Personen ausgeschlossen, deren Ehepartner, Verwandte oder Verschwägerte 1.,2. und 3. Grades Mitglieder im Verwaltungsrat, Mitglieder der Generaldirektion oder Mitglieder der Abteilung Ressourcen der Südtiroler Volksbank sind“.

Im offiziellen Ausschreibungs-Text, der an die Wettbewerbsteilnehmer, wurden dann aber zwei Wörter beigefügt. Zwischen den Wörtern „Mitglieder“ und „im Verwaltungsrat“, wurden die Beizeichnung „im Baukomitee“ eingefügt. „Ich habe ein solche Diktion noch niemals in meinem Leben gesehen“, kann ein bekannter Südtiroler Architekt, der seit Jahrzehnten an öffentliche Wettbewerben teilnimmt, nur mehr lachen. Der Grund für die Beifügung wird nach der Preisvergabe verständlich. Den dritten Preis ex equo gewinnen zwei Projekte. Eines davon stammt von einer Gruppe von vier Architekten. Unter diesen vier Architekten ist auch der Brixner Gerd Bergmeister. Bergmeister ist aber der Sohn des Volksbank-Verwaltungsrates Hansjörg Bergmeister. Bergmeister hätte damit nach normalen Spielregeln erst gar nicht am Wettbewerb teilnehmen dürfen. Die Teilnahme und den dritten Preis machten die zwei Wörter „im Baukomitee“ erst möglich. Wobei das ganze auf sehr tönernen Füßen steht. Denn  – nach Informationen der Tageszeitung – hat der Volksbank-Verwaltungsrat in Wirklichkeit nie ein solches Baukomitee ernannt. Für Wettbewerb und Bau zuständig ist pro forma Präsident Zeno Giacomuzzi.

Noch brisanter wird der Fall aber, wenn man weiß, dass Gerd Bergmeister das Projekt und somit den dritten Preis zusammen mit den beiden Architekten Siegfried Delueg und Matteo Scagnol gewonnen hat. Beide sitzen im Vorstand der Architektenkammer. Scagnol ist Schatzmeister und Delueg Rat der Architektengilde. Beide dürften die eigenen Standesregeln kennen und ihnen hätte deshalb auch die unorthodoxe Abweichung vom Standard in Sachen Unvereinbarkeit in der Volksbank-Ausschreibung aufgefallen müssen. Was sie nicht davon abhielt, am Wettbewerb teilzunehmen und den dritten Preis zu kassieren. In welchen Interessenkonflikt die beiden damit auch die Architektenkammer hineinmanövriert haben, zeigt sich am letzten Akt der Geschichte. Weil der Vorstand der Architektenkammer auch für die Einhaltung der berufethischen Regeln zuständig ist, hat einer der Wettbewerbsteilnehmer gegen diese Vorgangsweise bei der Architektenkammer Beschwerde eingereicht. Eine Antwort steht noch aus. Inzwischen wird die Front der Protestierer aber größer. Der Brunecker Architekt Paolo De Martin hat mit seinem Projekt beim „Volksbank“-Wettbewerb einen Anerkennungspreis gewonnen. „Mir scheint diese Position alles andere als korrekt“, sagt De Martin jetzt, „deshalb müsste das ganze annulliert werden“.

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